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DMSG Aktuell

Mit Mut und Stärke erfolgreich im Beruf mit Multipler Sklerose: TV-Moderatorin Mirjam Kottmann

Im Interview mit dem DMSG-Bundesverband berichtet die erfahrene Journalistin, was sie ermutigt hat nach der Diagnose MS im Jahr 1998 in ihrem Traumberuf Vollgas zu geben.

Mirjam Kottmann ist die erste TV-Moderatorin im Rollstuhl

Liebe Frau Kottmann, Sie sind die erste Moderatorin im deutschen Fernsehen, die im Rollstuhl regelmäßig eine Nachrichtensendung moderiert. Welche Bedeutung hat dieses Hilfsmittel für Sie? Sehen Sie in der Präsentation der Nachrichten im Rollstuhl einen wichtigen Schritt in Sachen Inklusion?

Mirjam Kottmann: „Der Rollstuhl ersetzt meine Beine. Insofern ist er unverzichtbar für mich. Denn leider kann ich seit 2019 nicht einmal mehr stehen. Seit 2018 moderiere ich bei ARD alpha verschiedene Sendungen – wie „alpha demokratie“ oder „alpha thema“ und seit 2022 im BR vertretungsweise die Auslandsmagazine „Éuroblick“ und „Alpen – Donau - Adria“. In allen Formaten sieht man mich im Rollstuhl. Ganz bewusst wollte ich mich nie auf einen normalen Stuhl setzen. Das tue ich im „normalen“ Leben auch schon lange nicht mehr. Und ich denke, dass das schon ein Zeichen für Inklusion war und ist. Weil die Nachrichten aber täglich sind und eine hohe Einschaltquote haben, hat mein Einsatz dort sicherlich eine ganz andere Breitenwirkung. Insofern ist das auch wieder ein Schritt in Sachen Inklusion – und eben ein sehr sichtbarer.“

Wie lange leben Sie schon mit MS?

Mirjam Kottmann: „Schon sehr lange. Mehr als die Hälfte meines Lebens. Ich hatte die ersten Symptome mit 22, die Diagnose kam dann zwei Jahre später, Ende 1998.“

Hat die MS Sie eher angespornt oder gebremst bei der Umsetzung Ihrer beruflichen Ziele?

Mirjam Kottmann: „Ich würde sagen, die MS hat mich am Anfang bei meiner Arbeit überhaupt nicht tangiert. Nach der Diagnose habe ich weiter alles gemacht, Vollgas gegeben. Ich war auch so jung und hatte gerade mal ein Jahr vorher beim BR angefangen zu arbeiten.

Sehr viel später, als die ersten Einschränkungen geblieben sind und zunehmend sichtbar wurden, wie beim Laufen, da hat mich die MS schon sehr gebremst. Ich konnte plötzlich eben nicht mehr alles machen, was ich wollte. Diese Erkenntnis war sehr schmerzhaft. Und ist es irgendwie auch bis heute. Die Krankheit hat mir viel genommen.

Aber ich wollte nicht den Kopf in den Sand stecken und habe nach neuen Akzenten und Herausforderungen gesucht. So kam ich zur Moderation. Das geht doch auch im Rollstuhl, dachte ich mir. Und ich kann auch noch ein Zeichen für Inklusion setzen! Das ist wunderbar!

Wobei ich anfangs Hemmungen hatte, mich als Reporterin im Rollstuhl vor der Kamera zu zeigen. Ich weiß noch, dass ich bei einer Schalte für die „Tagesschau“, als ich schon im Rollstuhl saß, mit dem Team überlegte, wie man mich am besten positioniert und filmt, damit ja nicht zu sehen ist, dass ich im Rollstuhl sitze. Das war, als ich von der Gerichtsverhandlung über das Zugunglück in Bad Aibling berichtete. Ich wollte nicht, dass man meine Einschränkung sieht. Irgendwann dachte ich: Ist doch egal. Dann sieht man den Rollstuhl halt. Es war auch für mich ein Prozess.“

Wo haben Sie Unterstützung gefunden?

Mirjam Kottmann: „Ganz konkret haben mich zwei Kolleginnen unterstützt – wofür ich unendlich dankbar bin. Ohne Support geht nichts, oder nicht viel.“

Die Entscheidung, den Arbeitgeber über die MS zu informieren, beschäftigt viele Menschen mit MS. Wann und warum haben Sie sich entschlossen, offen mit der Erkrankung umzugehen?

Mirjam Kottmann: „Ich habe sehr lange nichts gesagt. In der Neuerkrankten-Gruppe der MS-Gesellschaft in München rieten sie damals 1999: Sagt es besser nicht eurem Arbeitgeber, sonst könntet ihr aufs Abstellgleis gestellt werden mit dem Argument, dass Stress nicht guttue und es deshalb besser wäre, kürzerzutreten. Also habe ich nichts gesagt. Es war auch nicht nötig, schließlich hatte man mir nichts angesehen. Doch die Krankheit schritt voran, die Beine wurden schlechter. Ich konnte das Hinken nicht mehr mit einem Skiunfall erklären. Also schenkte ich meinem damaligen Chef Jahre später reinen Wein ein.“

Welche Reaktionen haben Sie überrascht, welche gefreut?

Mirjam Kottmann: „Die Redaktion kam mir sehr entgegen. Obwohl ich nur freie Mitarbeiterin bin, durfte ich direkt auf dem BR-Gelände in Freimann parken, damit ich nicht mehr weit laufen musste. Und ich bekam, auf meinen Wunsch, mehr Schichten im Innendienst.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich meinem Arbeitgeber schon etwas früher hätte Bescheid geben können.“

Das Motto zum diesjährigen Welt-MS-Tag am 30. Mai lautet „Diagnose MS: Mit Mut und Stärke leben lernen“. Was hat Ihnen beim Umgang mit der Erkrankung nach der Diagnose geholfen?

Mirjam Kottmann: „Die Treffen mit anderen Neuerkrankten im Rahmen der Selbsthilfegruppe der DMSG fand ich hilfreich. Ich habe dort viele Tipps bekommen und, was noch wichtiger war, mich nicht mehr so allein gefühlt. Dort habe ich Kontakte geschlossen, aus denen Freundschaft geworden ist. Das war schön, weil wir dann immer zu zweit zur monatlichen Infusion zum Neurologen gegangen sind und aus der eigentlich unschönen Behandlung ein nettes ‚Kaffeekränzchen‘ gemacht haben.

Wichtig war aber auch, dass ich mein Leben im Prinzip weitergelebt habe, wie vorher: mit Reisen, Sport und viel Spaß. Geholfen hat mir, dass ich sofort wieder in die Arbeit gegangen bin. Dort wusste niemand von meiner Diagnose, ich war beschäftigt und abgelenkt und konnte die Krankheit für viele Stunden vergessen. Mir ging es damals auch noch gut, hatte keinerlei Einschränkungen.“

Welchen Tipp würden Sie Menschen mit auf den Weg geben, die gerade erst die Diagnose MS erhalten haben?

Mirjam Kottmann: „Sucht Euch einen guten Arzt und beginnt frühzeitig mit einer Therapie, denn heutzutage gibt es eine ganze Reihe wirksamer Medikamente, die den Verlauf günstig beeinflussen. Die gab es früher nicht. Und vor allem: lebt! Macht alles, worauf Ihr Lust habt, stresst Euch nicht wegen Kleinigkeiten und habt Freude am Leben!“

 

Jetzt sind Ihre Erfahrungen gefragt. Was ermutigt Sie, woraus schöpfen Sie Kraft?

Im Wettbewerb zur Umsetzung des Mottos zum Welt-MS-Tag 2024 können Sie mit Ihren Erfahrungen MS-Erkrankte ermutigen und sich im Austausch stärken.
Ob in Videos, Berichten, Bildern, Songs, Flashmobs oder mit anderen Aktionen: Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Bitte schicken Sie Ihre Beiträge bis zum 30. Juni 2024 per Mail an weltmstag(at)dmsg.de.
Wir sind gespannt auf Ihre Ideen!

 

Redaktion: DMSG-Bundesverband e.V. - 15.05.2024
Quelle: DMSG-Bundesverband e.V. - 15.05.2024

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