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MS-Forschung

Grafik des Quartals: Corona-Pandemie und Depression bei Multipler Sklerose

Eine aktuelle Auswertung aus dem MS-Register der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. untersucht die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit,bestehende Fälle) und Inzidenz (neu auftretende Fälle) des Symptoms Depression. Verglichen wird das Vorhandensein der Depression vor und während der COVID-19-Pandemie.

Anhand der aktuellen Daten aus dem MS-Register mit vollständiger Dokumentation des Symptoms Depression (n=33.409) werden die Punktprävalenz und Inzidenz dargestellt. Generell ist der Anteil an Depressionen bei MS-Erkrankten 2-3 mal höher als in der allgemeinen Bevölkerung.(1)

Der saisonale Verlauf vor der COVID-19-Pandemie (2018/2019) ist in Abbildung 1 dargestellt. Zu Beginn dieser Jahre, im Winter und Frühling, wurde ein gewisses Niveau an Depressionshäufung dokumentiert, welches über den Sommer stets rückläufig oder mindestens stabil war. Im Jahr 2020 kam im März der erste Lockdown und die damit verbundenen Schließungen und Kontaktbeschränkungen. Neben einem kurzen, nicht nachhaltigen Anstieg der Prävalenz zu Beginn ist ab August des Jahres eine deutliche Zunahme von etwa vier Prozent zu verzeichnen. Dieses könnte auf einen Effekt in Zusammenhang mit der Pandemie hindeuten.

Die Abbildung 2 zeigt MS-Erkrankte, für die zum jeweiligen Zeitpunkt eine Depression dokumentiert wurde und bei denen in einer vorherigen Visite, welche weniger als ein halbes Jahr davor erfolgt war, keine Depression angegeben wurde, vergleichbar mit einer 3-Monats-Inzidenz (Durchschnitt). Auch hier ist der saisonale Verlauf erkennbar. Bis in die Sommermonate ist die Inzidenz abfallend, um dann in den Herbst- und Wintermonaten anzusteigen. Vergleicht man das Jahr 2020 mit den davorliegenden Jahren, ist der Anstieg ab Mitte 2020 leicht erhöht.

Insgesamt zeigt die Auswertung der deutschen Registerdaten einen Anstieg, welcher sich mit leichter Verzögerung ab Mitte des Jahres 2020 bemerkbar macht. Dieser Anstieg scheint allen Befürchtungen zum Trotz vom Ausmaß und von der Dauer her begrenzt zu sein und deutet eher nicht auf eine permanente Verschlechterung der Depressionssymptomatik bei MS-Erkrankten hin. Während in der Gesamtbevölkerung(2) ein Anstieg der Depressionsprävalenz erkennbar ist, zeigen Publikationen aus Großbritannien(3), Italien(4) und Serbien(5) keinen Effekt der Pandemie auf Angstzustände und Depressionen bei MS-Erkrankten. Verschiedene Gründe können dafür eine Rolle spielen. Zum einen können MS-Erkrankte durch ihre Krankheit widerstandsfähiger gegenüber äußeren Ereignissen im Vergleich zur Allgemeinheit sein. Zum anderen halfen existierende Unterstützungssysteme wie bspw. die Austausch-Plattform MS-Connect, die beim Ausbruch der Pandemie schnell mobilisiert und ausgebaut werden konnten und so MS-Erkrankten sichere Räume für den Austausch untereinander aber auch mit Experten (zum Beispiel in Online-Arztsprechstunden) bieten konnten.

Als Limitation der Auswertung ist zu beachten, dass anhand der Registerdaten lediglich entnommen werden kann, ob eine Depression besteht. Die Schwere dieser Erkrankung wird jedoch nicht dokumentiert. Darüber hinaus hat sich pandemiebedingt ein Rückgang in der Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Arztbesuche der Patienten ergeben, welcher die Ergebnisse beeinflussen kann. Möglicherweise hat die Pandemie einen Effekt auf bereits bestehende Depressionen. Dieses bedarf weiterer Untersuchungen.

Literatur:

  1. Patten SB, Marrie RA, Carta MG. Depression in multiple sclerosis. International Review of Psychiatry. 3. September 2017;29(5):463–72.
  2. Santomauro DF, Mantilla Herrera AM, Shadid J, Zheng P, Ashbaugh C, Pigott DM, u. a. Global prevalence and burden of depressive and anxiety disorders in 204 countries and territories in 2020 due to the COVID-19 pandemic. The Lancet. Oktober 2021;S0140673621021437.
  3. Garjani A, Hunter R, Law GR, Middleton RM, Tuite-Dalton KA, Dobson R, u. a. Mental health of people with multiple sclerosis during the COVID-19 outbreak: A prospective cohort and cross-sectional case–control study of the UK MS Register. Mult Scler. 3. Juni 2021;135245852110204.
  4. Capuano R, Altieri M, Bisecco A, d’Ambrosio A, Docimo R, Buonanno D, u. a. Psychological consequences of COVID-19 pandemic in Italian MS patients: signs of resilience? J Neurol. März 2021;268(3):743–50.
  5. Stojanov A, Malobabic M, Milosevic V, Stojanov J, Vojinovic S, Stanojevic G, u. a. Psychological status of patients with relapsing-remitting multiple sclerosis during coronavirus disease-2019 outbreak. Multiple Sclerosis and Related Disorders. Oktober 2020;45:102407.

Über das MS-Register

Schätzungen zufolge leben in Deutschland mehr als 252.000 MS-Erkrankte. Verlässliche Daten zur Prävalenz (Häufigkeit) der Erkrankung lagen lange Zeit nicht vor. Auch Fragen zur Versorgung, wie zum Beispiel die Anwendung verschiedener Therapieformen bei MS-Patienten waren nur ansatzweise bekannt.

Um standardisierte Daten über die Versorgungssituation innerhalb Deutschlands und den Einfluss der Erkrankung auf die Berufs- und Arbeitswelt zu erhalten, initiierte die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. im Jahre 2001 den Aufbau eines MS-Registers. Mittlerweile beteiligen sich über 189 MS-Zentren an der Dokumentation. Der DMSG-Bundesverband gewährt in der "Grafik des Monats" Einblick in aktuelle Zahlen rund um die Erkrankung MS. Mehr über das MS-Register der DMSG, Bundesverband e.V. erfahren Sie hier.

Quelle: msfp, DMSG-Bundesverband – 20.12.2021

Redaktion: DMSG-Bundesverband – 20.12.2021

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