Sommer mit Multipler Sklerose - Bei warmen Temperaturen braucht jeder seinen persönlichen Weg
Wenn die Temperaturen steigen, verändert sich für viele Menschen der Alltag spürbar. Für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) können längere Hitzeperioden jedoch besondere Belastungen mit sich bringen. Hohe Außentemperaturen können dazu führen, dass bereits bestehende neurologische Symptome vorübergehend stärker (wahrgenommen) werden. Dazu zählen unter anderem ausgeprägte Fatigue, Konzentrationsprobleme, Sehstörungen oder eine reduzierte körperliche Belastbarkeit. Dieses vorübergehende Verstärken von Symptomen durch Wärme wird als Uhthoff-Phänomen bezeichnet.
Wenn heiße Tage häufiger werden
In Deutschland nehmen heiße Tage und Hitzewellen langfristig zu. Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen, dass die Anzahl sogenannter „Hitzetage“ (über 30 Grad Celsius) messbar angestiegen ist und extreme Sommerphasen häufiger auftreten. Auch der Weltklimarat (IPCC) beschreibt in seinem letzten Sachstandsbericht von einer Zunahme von Intensität und Dauer von Hitzewellen in Europa als gesicherten Trend. Aktuelle Berichte von Copernicus (EU Klimawandeldienst) und dem DWD bestätigen, dass sich dieser Trend in den Folgejahren fortsetzt und sogar verstärkt.
Für Menschen mit MS bedeutet dies, dass der Umgang mit hohen Temperaturen zunehmend zum wiederkehrenden Alltag wird. Die Herausforderung besteht hierbei in der Dauer und Häufigkeit solcher Wetterlagen.
Beeinflussung des Alltags
Der Umgang mit Hitze ist für Menschen mit MS individuell sehr unterschiedlich. Viele Erkrankte verlegen Aktivitäten stärker in die kühleren Tageszeiten und vermeiden körperliche Belastungen in der Mittagshitze. In Innenräumen helfen einfache Maßnahmen wie Lüften in den frühen Morgen- und späten Abendstunden sowie Abdunkeln tagsüber. Leichte, atmungsaktive Kleidung (Baumwolle, Leinen, Funktionsstoffe) wird meist besser vertragen als synthetische Stoffe.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Neben ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Schatten helfen gezielte Kühlstrategien: kalte Umschläge im Nacken oder an den Handgelenken, kühle Fußbäder, vorgekühlte Textilien oder Trinkflaschen aus dem Kühlschrank. Selbstkühlende T-Shirts, Bandanas oder Bettwäsche können zusätzlich entlasten.
In öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Terminen in schlecht klimatisierten Räumen lässt sich Hitze oft nicht vollständig vermeiden. Es ist wichtig, hier seine individuelle Belastungsgrenze zu kennen und kurze, bewusste Pausen im Schatten oder kühlen Innebereichen einzuplanen.
Die Rolle von Vitamin D
Neben den Herausforderungen der Sommerhitze spielt auch Sonnenlicht selbst eine differenzierte Rolle. UV-Strahlung ist ein zentraler Faktor für die körpereigene Vitamin-D-Produktion, die in der MS-Forschung seit vielen Jahren untersucht wird.
Ein Beitrag der DMSG Hessen ordnet den Zusammenhang zwischen Sonnenlicht, künstlicher UV-Exposition und Vitamin D bei Multipler Sklerose wissenschaftlich ein und verweist auf die komplexe Datenlage zur Rolle von Vitamin D im Krankheitsgeschehen.
→ Sonnenlicht, künstliche Lichtquellen und Vitamin D bei Multipler Sklerose (DMSG Hessen)
Dennoch sollte Sonnenlicht bewusst und maßvoll genutzt werden, da übermäßige UV-Belastung gesundheitliche Risiken birgt.
Gut vorbereitet durch den Sommer
Für Menschen mit MS gibt es keine allgemeingültige Strategie für den Umgang mit Hitze. Entscheidend ist vielmehr die Anpassung an individuelle Bedürfnisse und die eigene Belastbarkeit. Der Sommer muss dabei nicht vermieden werden, er erfordert jedoch häufig eine bewusste Gestaltung des Alltags.
Was hilft Ihnen durch die Hitze zu kommen? Mailen Sie uns Ihre Tipps, Ideen und Videos an dmsgreporter@dmsg.de, referat-medien@dmsg.de oder posten Sie uns in der DMSG Community auf Facebook, Instagram, YouTube oder auf MS Connect.
Redaktion: DMSG-Bundesverband e.V. – 22.06.2026

