Meine Geschichte

Das bin ich

  • Name: Christina Spelten
  • Alter: 38
  • Familienstand: verheiratet
  • Anzahl und Alter der Kinder: 2 Kinder, 1 Junge (15 Jahre alt), 1 Mädchen (4 Jahre alt)
  • Berufstätig: Nein

Ich und MS

  • Wann kam die Diagnose MS: August 2006
  • Verlaufstyp: Schubförmig
  • Motorische /kognitive Einschränkungen: Schwäche rechte Körperseite (Übrigbleibsel von Hemiparese), Fatigue, Sehr vergesslich, Wortfindungsstörungen
  • Medikamente/andere Therapien: Tysabri, Modafinil, Propicum, Vitamin D, Vitamin B Komplex

Christina im Interview

Redaktion: In welcher Lebenssituation haben Sie die Diagnose MS erhalten?
Christina Spelter: Verheiratet in erster Ehe, Mama eines 4-jährigen Sohnes, Teilzeitkraft als Altenpflegerin

Redaktion: Sie haben sich trotz MS dafür entschieden, Mama zu werden. Hat die MS Ihre Überlegung zur Familienplanung beeinflusst und wie?
Christina: Ja, wir wollten gerne ein gemeinsames Kind... sicher hat die MS die Überlegung beeinflusst... Wir haben überlegt, ob wir das schaffen würden. Ob es finanziell klappt, wer uns im Falle eines Schubes unterstützt. Wir haben dann den Kinderwunsch mit unseren Ärzten besprochen, sie gaben uns grünes Licht.

Redaktion: Gibt es etwas, dass Ihnen bei Ihrer Entscheidung geholfen hat?
Christina: Mein jetziger Mann war mir immer eine Stütze. Es war unser Herzenswunsch, ein Baby zu bekommen. Es hat auch geholfen, dass die Ärztin uns Mut zugesprochen hat.

Redaktion: Welche Informationen hätten Sie sich während der Schwangerschaft gewünscht?
Christina: Ich hätte mir gewünscht, dass man einfacher an Informationen gekommen wäre. Jemand, der mir direkt sagen könnte, wo ich Hilfen finde, falls es zu einem Schub kommt. Meine Gynäkologin kannte sich zum Beispiel nicht wirklich mit MS aus. Was und ob es in der Schwangerschaft mit MS zu beachten gibt. Ebenso mit der Medikation während der Schwangerschaft. Für mich persönlich war es klar, dass ich keinerlei Medikamente nehmen wollte in der Schwangerschaft.

Redaktion: Wäre ein Angebot wie Plan Baby bei MS für Sie hilfreich gewesen?
Christina: Ja, ich hätte mich über so ein Angebot sehr gefreut! Ich hätte es auch genutzt. Es ist toll, direkt kompetente Hilfe zu allen Fragen zu bekommen.

Redaktion: Wie ging es Ihnen in der Schwangerschaft und im Wochenbett?
Christina: Mir ging es in der Schwangerschaft, zumindest von der MS her sehr gut. Die MS hat sich die komplette Zeit im Hintergrund gehalten. Ich hatte mich dafür entschieden, direkt nach der Entbindung mit dem Tysabri weiterzumachen, aus Angst vor einem Schub.

Redaktion: Wie wirkt sich die MS auf Ihren Familienalltag aus und wie gehen Sie damit um?
Christina: Mein Mann und ich haben beide MS. Da wir beide berentet sind, sind wir 24 Stunden am Tag für die Kinder da. Wir teilen uns die Aufgaben auf. Wir ergänzen uns prima. Auch wenn mein Mann sehr von der MS gekennzeichnet ist, hat er es geschafft, halbseitig gelähmt Windeln zu wechseln oder das Baby an- und auszuziehen. Zu Hause ist MS eigentlich kein Thema. Die MS ist einfach da, wir leben damit und arrangieren uns damit. So langsam fragt unsere Tochter, warum Papas Arm und Bein kaputt seien. Wir versuchen es ihr kindgerecht schon ein wenig zu erklären. Die Kinder werden groß damit, wir machen kein Geheimnis um unsere Krankheit. Wir sind eigentlich eine ganz normale Familie... mit ein paar Handicaps. Aber dafür sind wir ein bisschen verrückt, aber ganz lustig.

Redaktion: Was hilft Ihnen im Alltag? Gibt es Personen, Gruppen, Netzwerke, die Ihnen unterstützend zur Seite stehen?
Christina: Mir hilft im Alltag in erster Linie mein Mann. Ebenso ist mir das Internet eine starke Stütze. Der Austausch mit Betroffenen gibt mir Mut und Halt. Ebenso freue ich mich, wenn andere von meinen Erfahrungen profitieren können. Ich habe auf Facebook und Instagram schon so einige Freundschaften schließen können... was im normalen Leben so nicht so einfach ist. Habe durch die MS viele reale Freunde verloren. Unsere Familie ist ebenso eine starke Stütze.

Redaktion: Was läuft besser als gedacht?
Christina: Man wächst mit seinen Aufgaben. Als Eltern ist man oftmals stärker, als man eigentlich denkt. Obwohl mir die Fatigue oft wirklich sehr zu schaffen macht, schaffe ich mehr als ich mir zugetraut habe. Nach dem Motto "Ich habe keine Zeit für die MS, ich bin Mama". Die Kinder sind wie ein Lebensmotor. Ich bin erstaunt wie Andy, mein Mann, es geschafft hat, trotz seiner Halbseitenlähmung das Baby hochheben zu können, die Windeln zu wechseln, die Wäsche zu wechseln. Er hat so manche Nachtschicht übernommen, Fläschchen gemacht usw.

Redaktion: Was würden Sie Frauen mit MS raten, die sich ein Kind wünschen oder schwanger sind?
Christina: Zuerst sollte man sich natürlich an seinen Arzt, bzw. Neurologen wenden und den Kinderwunsch ansprechen. Ebenso finde ich Kontakt zu Gleichgesinnten sehr schön und hilfreich. Auch einen "Plan B" sollte man im Hinterkopf haben. Wer hilft mir, wenn ich nicht so kann, wie ich will und wer unterstützt mich?

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