DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Pressemitteilung

Den Fortschritt auf dem Gebiet der Progredienten Verlaufsformen der Multiplen Sklerose vorantreiben: Die DMSG geht neue Wege in der Forschungsförderung

Forschung ist der Schlüssel, um die Geheimnisse der noch unheilbaren Erkrankung Multiple Sklerose zu lüften und neue Therapiemöglichkeiten zu finden. Da immer weniger öffentliche Fördermittel zur Verfügung stehen, hat die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. ihre Forschungsförderung auf noch breitere Beine gestellt. Auf Grundlage von unabhängigen Gutachten wurden jetzt zwei Forscherteams ausgewählt, deren Projekte ab sofort in einer Gesamthöhe von fast 370.000 Euro unterstützt werden. Die mit Spannung erwartete Entscheidung fiel auf Prof. Dr. med. Christine Stadelmann-Nessler und Prof. Dr. med. Wolfgang Brück sowie Prof. Dr. med. Martin Kerschensteiner und Dr. med. vet. Jafari Mehrnoosh.

Nur durch intensive Erforschung kann die Situation der MS-Erkrankten verbessert werden Mehr als die Hälfte der MS-Erkrankten weist eine progrediente Verlaufsform auf (primär oder sekundär progrediente MS). Die Behandlungsmöglichkeiten sind noch unbefriedigend. Ziel der in diesem Jahr neu aufgestellten Projektförderung des DMSG-Bundesverbandes ist es daher, die progrediente MS besser zu verstehen und dazu beizutragen, die Ursachen und Mechanismen der Krankheitsprogression aufzuklären. Zum Thema der Ausschreibung „Marker und Mechanismen der progredienten Multiple Sklerose“ hatten sich zehn Forschergruppen beworben. Die beiden ausgewählten Projektteams überzeugten im Bewerbungsverfahren mit ihren aussichtsreichen Forschungsansätzen die unabhängigen Gutachter.

Die DMSG stellt die Forscher und ihre Projekte vor:

Projekt 1: Mit 165.600 Euro fördert der DMSG-Bundesverband über einen Zeitraum von 24 Monaten das Forschungsprojekt von Prof. Dr. med. Martin Kerschensteiner und Dr. Jafari Mehrnoosh mit dem Titel: “Komplement-vermittelte Pathologie in progredienten MS Modellen”.

Der klassische Hintergrund der Beschwerden durch die Multiple Sklerose liegt in der Entzündung, die die Myelinscheiden in der weißen Substanz des Gehirns angreift. Neueste Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Pathologie der Multiplen Sklerose jedoch nicht nur die weiße, sondern - besonders bei progredienten Verläufen - auch die graue Substanz des Zentralen Nervensystems betrifft. Die Projektleiter glauben, dass diese Experimente neue Einblicke in die Abfolge der Ereignisse in der grauen Substanz bieten werden und hoffen damit die Grundlage für die Entwicklung von Therapiestrategien zu schaffen, die die kognitive Verschlechterung und das Voranschreiten der Behinderung bei der progredienten MS aufhalten können. Mehr auf www.dmsg.de

Die Forscher: 

  • Dr. med. vet. Mehrnoosh Jafari hat sich nach ihrem Studium der Tiermedizin in Teheran (Iran) den Neurowissenschaften zugewandt. Seit 2013 arbeitet sie mit Prof Dr. med. Kerschensteiner im Institut für klinische Neuroimmunologie in der Ludwig Maximilians Universität München an der Erforschung von Mechanismen der Gewebsschädigung und –reparatur in Tiermodellen der MS.
  • Prof. Dr. med. Kerschensteiner hat sich nach seinem Medizinstudium bereits in seiner Doktorarbeit der MS-Erkrankung gewidmet. Seit 1994 forscht er im Rahmen dieser Erkrankung und ist seit 2005 der Leiter der Forschergruppe. Im Jahr 2001 erhielt er den Sobek-Nachwuchspreis für exzellente MS-Forschung durch die DMSG. Seit 2013 ist Prof. Kerschensteiner Direktor des Instituts für klinische Neuroimmunologie.


Projekt 2: Mit 198.300 Euro unterstützt der DMSG-Bundesverband die Studie von Prof. Dr. med. Christine Stadelmann und Prof. Dr. med. Wolfgang Brück mit dem Titel: “Krankheitsspezifische Veränderungen in der normal erscheinenden weißen und kortikalen grauen Substanz im Gehirn als hauptsächliche Einflussfaktoren der fortschreitenden MS-Erkrankung.”

In diesem Projekt sollen ausgewählte Gen-Sequenzen von Gehirnzellen (Mikroglia und Astrozyten) jeweils in den geschädigten Läsionen und den Zellen der weißen Gehirnsubstanz in Mausmodellen für die Neuromyelitis Optica (NMO)- und die MS-Erkrankung untersucht werden. Zusätzlich haben die Forscher vor, die anhaltende, im geringen Maße stattfindende Einwanderung von Blutzellen (Monozyten) in die weiße Gehirnsubstanz, als einen Mechanismus der Schädigung von Nervenfortsätzen zu überprüfen. Darüber hinaus soll in den Mausmodellen die sich ausbreitende Schädigung in der Großhirnrinde als Anzeichen für die Vorhersage des Fortschreitens der Behinderung im Einzelnen untersucht werden. Mehr auf www.dmsg.de

Die Forscher: 

  • Prof. Dr. med. Christine Stadelmann-Nessler hat nach Ihrem Medizinstudium in Österreich, Ihre Doktorandenzeit in Berlin verbracht. Seit 2011 arbeitet Sie im Institut der Neuropathologie der Universität Göttingen. Im Jahr 2005 wurde Prof. Dr. med. Christine Stadelmann-Nessler mit dem Sobek-Preis für Nachwuchswissenschaftler in der MS-Erforschung geehrt.
  • Prof. Dr. med. Wolfgang Brück, Mitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, begann nach seinem Medizinstudium in Mainz seine Tätigkeit am Institut der Neuropathologie in Göttingen im Jahr 1988. Seit 2002 ist er der Direktor des Instituts. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Histopathologie der Multiplen Sklerose und ihr Zusammenhang mit der Bildgebung, Klinik und dem Therapieansprechen.

Hintergrund und Ziele der DMSG-Forschungsförderung

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. will, in Zusammenarbeit mit Ärzten, Wissenschaftlern, MS-Erkrankten, Angehörigen und allen Interessierten, die Erforschung der Multiplen Sklerose vorantreiben. 2015 wurde zu diesem Zweck die Richtlinie zur Forschungsförderung weiterentwickelt. Hierbei ist der DMSG die Unterstützung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein besonderes Anliegen. Die Förderung der Projekte kann für maximal 24 Monate erfolgen.

Neben der Einzelprojektförderung bietet der DMSG-Bundesverband weiterhin die bewährte Fehlbedarfsförderung an, mit der Lücken anderweitig geförderter MS-bezogener Projekte geschlossen werden können.

Darüber hinaus werden Stipendien vergeben und wissenschaftliche Symposien gefördert zu MS-bezogenen Themen.

- 27.10.2016