DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Öffentlichkeitsarbeit

Sperrfrist: 25. November 2016, 14 Uhr: Sobek-Stiftung würdigt international herausragende MS-Forscher aus Mainz und München

Die Roman, Marga und Mareille Sobek-Stiftung verleiht mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. (DMSG) und AMSEL e.V. zum 17. Mal ihre hochdotierten Preise für Multiple-Sklerose-Forschung.

Stuttgart, 25. November 2016: Die Sobek-Stiftung zeichnete am 25. November unter Schirmherrschaft des Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg zwei Forscher für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen in der Multiple-Sklerose-Grundlagenforschung aus. Der 17. Sobek-Forschungspreis, mit 100.000 Euro der europaweit höchstdotierte Preis für MS-Grundlagenforschung, wurde im Neuen Schloss in Stuttgart verliehen an Prof. Dr. rer. nat. Ari Waisman (55), Direktor des Instituts für Molekulare Medizin der Universität Mainz. Der Sobek-Nachwuchspreis mit 10.000 Euro Preisgeld ging in diesem Jahr an Dr. med. Veit Rothhammer (37) von der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München.

Sobek-Forschungspreis 2016 für Prof. Dr. rer. nat. Ari Waisman aus Mainz

Das Forschungsinteresse des 55-jährigen Immunologen Prof. Dr. rer. nat. Ari Waisman gilt den molekularen Mechanismen der Entzündung und der entzündlichen Gewebeschädigung im Zentralen Nervensystem. Ein Arbeitsschwerpunkt des Direktors des Instituts für Molekulare Medizin der Universität Mainz umfasst die Entwicklung neuer Modellversuche, die tiefere Einblicke in die Rolle und Regulation von Entzündungszellen im Gehirn ermöglichen. Innerhalb dieses Modells ließen sich gezielt bestimmte Zellgruppen eliminieren. Damit lassen sich erstmals bestimmte schädliche Zellfunktionen im lebenden Organismus analysieren. Das Modell hat sich als bahnbrechende neue Technik der experimentellen Neurobiologie entwickelt. Die Erkenntnisse aus den Arbeiten Waismans sind entscheidend für das Verständnis der Erkrankungsmechanismen und haben zur erfolgreichen Entwicklung gegenwärtiger anti-entzündlicher und immunmodulierender Therapien beigetragen. Darüber hinaus schafften die Erkenntnisse über die Gewebsschädigung bei MS neue Konzepte für die zukünftige Entwicklung neuro-protektiver Therapieformen zum Schutz vor dem Gewebeuntergang.

Der in Rio de Janeiro geborene Waismann studierte in Israel Biologie, legte seine immunbiologische Doktorarbeit in Rehovot, Israel, ab. Er forschte bei namhaften Immunologen in Israel und an der Universität Köln. Im Jahr 2005 wurde er als Professor für Immunologie an die Medizinische Fakultät der Universität Mainz berufen, er war dort fünf Jahre lang Sektionsleiter in der I. Medizinischen Klinik. 2010 folgte der Aufstieg zum Direktor und Ordinarius des Instituts für Molekulare Medizin der Universität Mainz. „Professor Waisman hat mit seiner Arbeit Herausragendes geleistet und damit den Weg für die Entwicklung neuer Therapien geebnet. Dieses Engagement hilft, die Symptome der MS-Erkrankung erträglicher zu machen und den Betroffenen mehr Lebensqualität zu schenken“, so der Laudator Ulrich Steinbach, Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Gleichzeitig hob er die große internationale Anerkennung Waismans hervor, der seine Forschungsergebnisse seit 1990 in über 150 wissenschaftlichen Originalarbeiten publiziert hat - oft in erfolgreichen Kooperationen mit anderen Forscherinnen und Forschern.

Sobek-Nachwuchspreisträger 2016 ist Dr. med. Veit Rothhammer aus München

Der Neuroimmunologe Dr. med. Veit Rothhammer von der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München ist derzeit als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Harvard Medical School in Boston, USA. Der 38-jährige gebürtige Unterfranke promovierte an der Medizinischen Universitätsklinik II in Würzburg. In einer Arbeitsgruppe an der Neurologischen Klinik der TU München war Rothhammer maßgeblich an der Erforschung molekularer Rekrutierungsmechanismen von Immunzellen in das Zentrale Nervensystem beteiligt. Ebenso maßgeblich beteiligt war er an der Erforschung der Rolle von atypischen T-Zellen bei der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis, dem wichtigsten Tiermodell bei MS. Die atypischen T-Zellen können auf Umweltfaktoren, etwa Stoffe von Bakterien reagieren und dadurch Entzündungsvorgänge im Körper verändern. Zu dessen genauerer Erforschung erhielt Rothhammer das Stipendium in den USA. In einem dort erfolgreich bearbeiteten Projekt konnte er einen möglichen molekularen Weg aufzeigen, wie Vorgänge im Darm über freigesetzte Botenstoffe und Stoffwechselprodukte direkt Astrozyten des Gehirns beeinflussen können.

Der Laudator Prof. Dr. med. Klaus V. Toyka, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Sobek-Stiftung und Ehrenvorsitzender des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. , lobte diese „bahnbrechende wissenschaftliche Leistung Rothhammers, die neue therapeutische Strategien zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen des Zentralen Nervensystems nahelegt.“

Bereits zum 17. Mal fand die Preisverleihung der Sobek-Preise in Zusammenarbeit mit dem DMSG-Bundesverband und der AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V., in Stuttgart statt. Seit dem Jahr 2000 hat die Sobek-Stiftung aus Renningen über 1,7 Millionen Euro für herausragende und wegweisende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose an Sobek-Forschungspreisträger und Sobek-Nachwuchspreisträger vergeben.

Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. Stuttgart, 25. November 2016

- 25.11.2016