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Grundsätzliches

Hippotherapie ist eine Form des therapeutischen Reitens. Neben einer Reihe von hochwirksamen Effekten auf die vielfältigen Symptome MS-Erkrankter kann es ungeahnte Glücksmomente bescheren, die lange nachwirken.

Das Geheimnis liegt in der Teamarbeit: Pferd, Therapeut, Pferdeführer und Reiter (in diesem Fall der MS-Erkrankte) sind im Idealfall so eingespielt, dass sich positive Therapieeffekte einstellen, ohne dass der Reiter aktiv Einfluss auf das Pferd nimmt. Hippotherapie kann helfen, die Gehfähigkeit beziehungsweise Aktivitäten im Rollstuhl zu verbessern und zu erhalten.

Mehr Lebensqualität und Freude

Wenn die Rahmenbedingungen und die körperlichen Voraussetzungen stimmen, kann eine Hippotherapie – unabhängig von der Schwere Ihrer Symptomatik – Ihr Leben mit MS erleichtern und bereichern. Neben den positiven Effekten auf Körper und Psyche können die Bewegung auf dem Pferd und der enge Kontakt zum Tier Ihnen Freude und Selbstvertrauen schenken, die weit in den Alltag hineinwirken.

Weitere Infos sowie eine Auflistung von Therapiestellen in Deutschland finden Sie unter: Deutsche Gruppe für Hippotherapie (DGH) e.V., www.dgh-ev.com

Hippotherapie ist eine physiotherapeutische Therapieform auf dem Pferd, die die Schwingungen des Pferderückens und den Rhythmus des Pferdeschrittes gezielt nutzt, um physiologische Reaktionen zu erreichen. Im Gegensatz zum Reiten wirken Sie, als MS-Erkrankter, nicht aktiv auf das Pferd ein, sondern umgekehrt wirkt die Bewegung des Pferderückens auf Sie.

Der mehrdimensionale Schwingungsrhythmus, der vom Pferderücken in der Gangart Schritt auf den Menschen im Hippotherapiesitz übertragen wird, ist dem Bewegungsmuster des menschlichen Ganges verwandt. Diese Bewegungsübereinstimmung ist eine der Wirkungsgrundlagen von Hippotherapie. Die Übertragung der Schwingungsimpulse (circa 100 pro Minute) reaktiviert fehlende oder verloren gegangene Bewegungsmuster im Gehirn. MS-Erkrankte können Muskelfunktionen oder Bewegungsabläufe, zum Beispiel das Gehen, erhalten, verbessern oder wieder erlernen.

Der Hippotherapiesitz

Der Sitz auf dem Pferd in der Hippotherapie unterscheidet sich deutlich vom Sitz auf dem Stuhl oder auch beim klassischen Reiten. Die Beine sind stärker gespreizt, was Spastik verhindert. Die Oberschenkellängsachse beträgt etwa 45 Grad, das Becken steht gerade, Füße und Unterschenkel hängen oder sind bequem im Steigbügel abgelegt. Die Bewegung des Pferdes wirkt direkt auf das Becken und den Rumpf. Verschiedene Sättel unterstützen – je nach Symptomatik – den korrekten Sitz und verbessern die Bewegungsübertragung. Die Bewegung des Pferderückens kann besser aufgenommen werden und wird verstärkt.

Wie läuft eine Therapiesitzung ab?

Eine Sitzung auf dem Pferd dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Das
Auf- und Absitzen ist Teil der Therapie. Je nach Symptomatik kann der MS-Erkrankte dabei verschiedene Hilfen wie zum Beispiel eine Rampe in Anspruch nehmen. Während der Therapie führt ein vor oder hinter dem Pferd gehender Pferdeführer das Tier im Schritt am Zügel beziehungsweise Langzügel, so dass der Hippotherapeut neben dem MS-Erkrankten gehen und sich ganz auf ihn konzentrieren kann. Der MS-Erkrankte sitzt im Hippotherapiesitz auf dem Pferd und reagiert im Rahmen seiner senso-motorischen Fähigkeiten auf dessen Bewegungsimpulse. Durch Wiederholungen treten Übungseffekte ein. Der Therapeut verbessert die symmetrische Aufnahme der Bewegungsübertragung, indem er sie manuell auf einer Seite gezielt unterstützt, ermöglicht und verstärkt.

Bei neurologischen Krankheitsbildern wie der Multiplen Sklerose ist die Hippotherapie in ihrer Wirksamkeit mit keiner anderen Therapie vergleichbar.

Zahlreiche Effekte können auf dem Pferderücken gleichzeitig eintreten: Der Tonus normalisiert sich, die gesamte Rumpfmuskulatur kräftigt sich, die Becken-, Hüft- und Lendenmuskulatur wird aktiviert, die Koordination von Rumpf- und Beinmuskulatur verbessert sich und die Wahrnehmung wird geschult.

Gehfähige MS-Erkrankte, die eine Hippotherapie gemacht haben, berichten von einer schnelleren Ganggeschwindigkeit und einer erhöhten Ausdauerleistung im Alltag. Auch Spastik, insbesondere des Rumpfes sowie der Beine, bessert sich unter der Hippotherapie deutlich. Im Verlauf der Therapie verringern sich zudem häufig bestehende Schmerzen. Vor allem MS-Erkrankte, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, profitieren in hohem Maße von einer Hippotherapie. Das funktionelle, gangtypische Rumpftraining stabilisiert jene Muskulatur, die auch die Funktion der Arme stärkt – ein wichtiger Aspekt für Rollstuhlfahrer, die im Alltag eine gute Rumpf-, Schultergürtel- und Armfunktion benötigen.

Die Bewegung draußen in der Natur stärkt zusätzlich die Psyche. Gerade für Schwerbetroffene ist es eine Wohltat, von oben auf dem Pferderücken – statt unten im Rollstuhl – den Wechsel der Jahreszeiten zu erleben sowie Farben und Gerüche der Natur aufzunehmen. Auch der Kontakt zum Tier, das Streicheln und Füttern am Ende der Therapie, die Wärme und die weiche Beschaffenheit des Fells tragen zum Wohlbefinden bei. Und nicht zuletzt stärkt die Hippotherapie das Selbstvertrauen: „Ich schaffe etwas, das mir niemand zugetraut hätte: hoch zu Ross durch die Landschaft zu ‚reiten’!“

Wichtig zu wissen: Die Hippotherapie ersetzt keine Physio- oder Ergotherapie, sondern sie ist ein Baustein in einem komplexen Behandlungsprogramm. Therapeuten und Ärzte sollten miteinander kommunizieren, um zum Beispiel Medikamente und deren Dosierungen anzupassen, wenn die Hippotherapie Spastizität oder Schmerz vermindert. Und: Die Kosten für eine Hippotherapie müssen Sie derzeit noch selber tragen, sie werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Das ist jedoch im Einzelfall zu prüfen.

Wenn Sie sich für eine Hippotherapie entscheiden, sollten idealerweise einige Rahmenbedingungen erfüllt sein: Achten Sie auf die Ausbildung des Therapeuten. Er sollte Physiotherapeut mit abgeschlossener Zusatzausbildung „Hippotherapeut“ sein.

Im besten Fall sollte er die Indikation für die Hippotherapie stellen können, die entsprechenden Hilfsmittel auswählen, das Behandlungsziel und die entsprechenden Maßnahmen der Therapie bestimmen, für Sicherheit und therapeutische Hilfen des MS-Erkrankten während der Therapie sorgen und abschließend einen Bericht für den Arzt erstellen.

Neben dem Therapeuten sollte auf jeden Fall ein erfahrener und zuverlässiger Pferdeführer dabei sein, der dafür sorgt, dass das Pferd beim Aufsteigen ruhig stehen bleibt und auf Hilfen und Kommandos reagiert. Therapeut und Pferdeführer müssen miteinander kommunizieren, um Sicherheit und eine ruhige Gesamtstimmung bei der Therapie zu gewährleisten.

Nicht zuletzt hängt der Therapieerfolg natürlich auch vom Pferd ab. Im Idealfall ist es ein Kleinpferd, das mit einem für den MS-Erkrankten optimalen Schrittrhythmus von 120 Schritten in der Minute geht. Denn nur dann werden die gangtypischen dreidimensionalen Bewegungen optimal vom Pferderücken übertragen. Wichtig ist auch, dass es ruhig, scheuarm, ausgeglichen und belastbar ist. Sie sollten Vertrauen zu dem Tier aufbauen können und seine Nähe genießen.

Lassen Sie sich vor Beginn der Therapie die Gegebenheiten vor Ort zeigen. Findet die Therapie auf Reitplätzen statt, auf denen kein Reitbetrieb parallel stattfindet? Sind die Wege, auf denen das Pferd geführt wird, sicher für Pferd und Reiter? Ist eine Aufsteigehilfe vorhanden und gibt es eine Auswahl an therapeutischen Hilfsmitteln wie zum Beispiel Sättel? Wenn diese Fragen mit Ja beantwortet sind, sind Sie dort in guten Händen.

Paresen, Ataxie, Spastik und Depressionen.

  • Paresen: Schwächen einzelner Muskelgruppen stellen ein großes funktionelles Problem im Laufe der MS-Erkrankung dar. Hippotherapie aktiviert speziell die Hüftbeuge-, Bauch- und die gesamte Rumpfmuskulatur und führt zu einer funktionellen Verbesserung bei Paresen.
  • Ataxie: MS-Erkrankte mit Koordinationsstörungen haben häufig Schwierigkeiten beim Gehen, da Muskelsynergien unkoordiniert und oft überschießend aktiviert werden. Hippotherapie fördert das koordinierte Zusammenspiel der Muskulatur. Der Pferdeschritt vermittelt dem Becken und dem Rumpf den gleichen Input, den gleichmäßiges Gehen hervorrufen würde und trainiert so die Koordination.
  • Spastik: Muskelsteifheit und unwillkürliche Muskelanspannung werden von MS-Erkrankten häufig als schmerzhaft erlebt. Hippotherapie stimuliert Reflexbahnen und dehnt die Muskulatur. Becken und Beine lockern sich unter der rhythmischen Bewegung, und der Hippotherapiesitz hemmt unphysiologische Reflexe. So kann sich die Muskelspannung normalisieren. Im Verlauf einer Therapie vermindern sich deshalb auch häufig bestehende Schmerzen.
  • Depressionen: Dauerhafte Antriebslosigkeit und depressive Verstimmungen können die Lebensqualität MS-Erkrankter erheblich beeinträchtigen. In der Hippotherapie bewirken das Wesen des Pferdes und die Gleichgewichtsharmonie auf dessen Rücken positive Empfindungen. Das Selbstvertrauen steigt, Therapiemüdigkeit nimmt ab und Freude ist garantiert.

Bevor Sie eine Hippotherapie beginnen können, muss Ihnen diese ein Arzt verordnen, nachdem er mögliche Kontraindikationen ausgeschlossen hat.

Dazu gehören:

  • Kreislaufinstabilität
  • Nicht ausreichend eingestellter Blutdruck
  • Schwere Herzerkrankungen
  • Allergien gegen Pferdehaar, Stalleinstreu oder ähnliches
  • Extreme oder knöchern fixierte Abweichungen von der normalen Wirbelsäulenform
  • Frische Bandscheibenvorfälle
  • Nicht ausreichend stabilisierte Knochenbrüche

Im Verlauf der Therapie beobachtet der Hippotherapeut kontinuierlich den Erfolg der Behandlung. Er muss beurteilen, ob Sie von der Therapie profitieren und sich positive Effekte einstellen.

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