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Recht

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) ist künftig auch bei Multipler Sklerose möglich, hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen. Der DMSG-Bundesverband hatte sich als Mitglied der Patientenvertretung intensiv in die Beratungen eingebracht

© Svea Pietschmann.G-BA

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für weitere komplexe, schwer therapierbare Erkrankungen die Anforderungen an eine ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) konkretisiert: für Multiple Sklerose sowie für Knochen- und Weichteiltumoren. Ziel der ASV ist es, die benötigten Fachdisziplinen eng zu verzahnen und so den Patienten die bestmögliche Versorgung anzubieten. Die Patientenvertretung, zu der auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. gehört, begrüßt die Entscheidung.

Der DMSG-Bundesverband setzt sich für eine Verbesserung der Versorgung von MS-Erkrankten ein

Mit seinem Beschluss legt der G-BA insbesondere fest, wie das interdisziplinäre ASV-Team zusammengesetzt sein muss, welche qualitätssichernden Maßnahmen gelten und welche Leistungen in diesem sektorenübergreifenden Behandlungsangebot erbracht werden können.

Die Patientenvertretung einschließlich der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. hatte sich mit ihrer Betroffenenperspektive intensiv in die Beratungen eingebracht, um für die 280.000 gesetzlich versicherten MS-Erkrankten in Deutschland eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen:

„Wir freuen uns, dass wir zu Aspekten wie der notwendigen Nennung einer Schluckdiagnostik, der Anlage von Blasenkathetern oder der Versorgung mit Medikamentenpumpen, bei denen es in der Versorgung von MS-Erkrankten zuweilen hakt, überzeugen konnten. Auch der Einbezug der Facharztgruppe Frauenheilkunde und Geburtshilfe in das ASV-Team bei einer Erkrankung, die in der Regel doppelt so viele Frauen wie Männer betrifft und zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt wird, war uns ein großes Anliegen. Für Kinder und Jugendliche konnten wir erreichen, dass schon eine Verdachtsdiagnose ausreicht, um eine Überweisung in die ASV auszustellen“, erklärt DMSG-Bundesgeschäftsführer Herbert Temmes. „Bedauerlicherweise konnten wir unsere Forderungen nach Hinweisen zu Pflegeberatungsangeboten, der Tabakentwöhnung oder vorhandenen Patientenschulungen nicht durchsetzen. Auch wären der Einbezug eines Neuro-Radiologen sowie eines Hämato-Onkologen aufgrund der Vielzahl von möglichen Medikamentennebenwirkungen in das ASV-Team unbedingt sinnvoll gewesen.“ 

Die Patientenvertretung hofft nun, dass sich nach Inkrafttreten des Beschlusses über ein Anzeigeverfahren bei den zuständigen erweiterten Landesausschüssen (eLA) zügig neue ASV-Teams bilden, sodass die ASV zur Verbesserung der Versorgung von MS-Erkrankten beitragen kann. 

Für Krankenhäuser, die in der Vergangenheit bereits spezialfachärztliche Angebote für MS-Erkrankte als ambulante Behandlung anbieten konnten, beginnt mit Inkrafttreten der neuen ASV-Regelungen eine Übergangsfrist von drei Jahren.

Festgelegt hat der G-BA unter anderem, welche fachärztlichen Disziplinen in einem ASV-Team vertreten sein müssen und welche diagnostischen und therapeutischen Leistungen zu dem neuen Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Nach Inkrafttreten der Beschlüsse können sich entsprechende ASV-Teams bilden und Patientinnen und Patienten im Rahmen dieses besonderen Versorgungsangebotes behandeln. Zudem legte der G-BA die beiden Erkrankungen fest, für die er im kommenden Jahr ein ASV-Angebot erarbeiten wird: zerebrale Anfallsleiden (Epilepsie) sowie Tumoren des Auges. Die Beschlüsse werden voraussichtlich im Dezember 2023 gefasst.

Karin Maag, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses ASV zu den zwei aktuellen Beschlüssen: „Wir haben erneut zwei Angebote in die ASV überführt, die bisher als sogenannte ambulante Leistung im Krankenhaus angesiedelt sind. An der ASV können und sollen sich nun auch ausdrücklich niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte beteiligen. Gleichzeitig haben wir auch den Leistungsumfang weiterentwickelt. Für die Patientenversorgung sind das zwei sehr wichtige Beschlüsse, denn Multiple Sklerose und Knochen- und Weichteiltumoren sind Erkrankungen, bei denen eine interdisziplinäre und koordinierte Diagnostik und Behandlung eine wichtige Rolle für den Verlauf spielen können.“

Wann tritt die Regelung in Kraft?

Die Beschlüsse werden vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft und treten nach Nichtbeanstandung und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Weiterführende Hinweise

Weitergehende Informationen zur ASV und den Übergangsregelungen bezüglich der ABK sind auf der Website des G-BA zu finden: Ambulante spezialfachärztliche Versorgung

Für Ärzte, die eine ASV anbieten wollen, stellt die ASV-Servicestelle alle wesentlichen Informationen zur Verfügung: ASV-Teilnahme

Patienten, die an einem ASV-Team interessiert sind, finden bei der ASV-Servicestelle ein Verzeichnis von berechtigten ASV-Teams.

Nähere Informationen zu dem vom Innovationsausschuss geförderten ASV-Projekt: GOAL-ASV – Generelle, alle ASV-IndikatiOnen übergreifende EvALuation und Weiterentwicklung der ASV-RL (§ 116b SGB V)

Aus ABK wird ASV: Übergangsregelung

Multiple Sklerose und Knochen- und Weichteiltumoren gehören zu den Erkrankungen, zu denen es bereits spezialfachärztliche Angebote als “ambulante Behandlung im Krankenhaus“ (ABK) gibt. Solche älteren Versorgungsansätze werden – wie mit dem heutigen Beschluss – Schritt für Schritt durch aktuelle ASV-Angebote ersetzt. Mit Inkrafttreten der neuen ASV-Regelungen beginnt die Übergangsfrist für die anbietenden Krankenhäuser: Sie haben dann drei Jahre Zeit, auf Basis der neuen Anforderungen – zu denen auch eine Kooperation mit vertragsärztlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehört – Teams zu bilden und bei ihrem regional zuständigen erweiterten Landesausschuss (eLA) ihre Teilnahme an der ASV anzuzeigen. Die eLA sind besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenkassen und der Landeskrankenhausgesellschaft. Die Bescheide für ABK zu den spezifischen Erkrankungen enden spätestens nach diesen drei Jahren.

Karin Maag weiter: „Informationen dazu, wie gut der Übergang vom ,alten‘ Angebot der ambulanten Behandlung im Krankenhaus in die neue ASV-Versorgung gelingt, erwarten wir von einem Projekt des Innovationsausschusses beim G-BA. Am morgigen 16. Dezember wird sich das Gremium mit den Evaluationsergebnissen abschließend befassen und eine Empfehlung abgeben. Das Projekt, GOAL-ASV‘ hatte untersucht, welche Faktoren die ASV-Teilnahme von Arztpraxen und Krankenhäusern positiv beeinflussen und welche als Barrieren wirken. Sollten sich aus dem Projekt konkrete Ansätze für die Arbeit des G-BA ergeben, bauen wir diese in die ASV-Anforderungen ein.

Das Mitspracherecht von MS-Erkrankten stärken

Die Patienten-Beteiligung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist ein wichtiges Instrument, um die Interessen MS-Erkrankter wahrzunehmen. Als Mitglied im G-BA hat der DMSG-Bundesverband als Vertreter von Patientenorganisationen Einfluss auf die Versorgungsqualität. Mitarbeiter des DMSG-Bundesverbandes nehmen an den Sitzungen des G-BA teil und haben ein Mitberatungs- und Antragsrecht.

Die Patientenvertretung im G-BA besteht aus Vertreter:innen der vier maßgeblichen Patientenorganisationen entsprechend der Patientenbeteiligungsverordnung: 

  • Deutscher Behindertenrat,

  • Bundesarbeitsgemeinschaft PatientInnenstellen und -initiativen,

  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V.

  • Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Die Patientenvertretung im G-BA kann mitberaten und Anträge stellen, hat aber kein Stimmrecht

Ansprechpartner für den DMSG-Bundesverband:
Herbert Temmes, Bundesgeschäftsführer DMSG, Tel: +49511/968340, E-Mail: temmes(at)dmsg.de  

Quelle: PM,Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA, DMSG-Bundesverband - 15. Dezember 2022 

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