Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) trauert um Wilhelm Faßhauer
Abschied von einem Wegbereiter für die Patientenvertretung zugunsten von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) in der DDR und Mitgründer des DMSG-Landesverbandes Sachsen-Anhalt e. V.
Sein jahrzehntelanger Einsatz für die Interessenvertretung und Aufklärung von Multiple Sklerose-Erkrankten und ihren Angehörigen hinterlässt nachhaltige Spuren für die Zukunft der Selbsthilfe.
Wilhelm Faßhauer, geboren am 11.03.1941, stammte aus dem Eichsfeld und studierte in Halle Physik. Hier lernte er seine Ehefrau Edeltraud kennen. Seit bei der jungen Ärztin 1980 Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, engagierten sich beide ehrenamtlich für MS-Erkrankte.
Gemeinsam waren die Eheleute zu DDR-Zeiten maßgeblich an der Erarbeitung von Informationsblättern für MS-Erkrankte beteiligt. Selbsthilfegruppen gab es in der DDR nicht. Noch vor der Wende gründete Wilhelm Faßhauer 1987 gemeinsam mit seiner Frau und anderen Betroffenen die erste staatlich anerkannte Betreuungs-Gruppe für MS-Kranke (BMSK) in Halle, ein Jahr später in Halle-Neustadt. Sie knüpften frühe Kontakte zu MS-bezogenen Selbsthilfestrukturen in der Bundesrepublik Deutschland, um Erfahrungen im Aufbau und der täglichen Vereinsorganisation zu gewinnen. Im März 1990 bauten sie den Zentralverband der DDR der DMSG auf.
Pionierarbeit für Multiple Sklerose-Erkrankte und ihre Angehörigen in der DDR
Im Mai 1990, noch vor der Entstehung des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, gehörten Wilhelm Faßhauer und seine Frau zu den Gründungsmitgliedern des DMSG Landesverbandes Sachsen-Anhalt. e. V.
Wilhelm Faßhauer war vom 01. Februar 1991 bis zum 31. Januar 1992 der erste Geschäftsführer des DMSG-Landesverbandes Sachsen-Anhalt. Er hat in dieser Zeit die Beratungs- und Geschäftsstelle in Halle aufgebaut, die Strukturen und die inhaltlichen Schwerpunkte des Landesverbandes miterarbeitet und wesentlich geprägt.
Am 09. Oktober 1993 wurde er zum ehrenamtlichen Vorsitzenden des DMSG Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V. gewählt, nachdem der damalige Vorsitzende in der Mitgliederversammlung seine Kandidatur zurückgezogen hatte und der Verband sich damit in einer schwierigen Situation befand.
In der Zeit seiner Führung entwickelte sich die Größe des Vereins auf mehr als 1.000 Mitglieder und in der Spitze 42 Kontakt-Gruppen.
25 Jahre lang war er Vorsitzender des LV und arbeitete kraft Amtes auch engagiert im Erweiterten Vorstand des DMSG-Bundesverbandes mit.
2005 bis 2013 setzte er sich als stellvertretendes Mitglied im Bereich Patientenvertretung der Ethik-Kommission des Landes Sachsen-Anhalt ein.
Für seine außerordentlichen Leistungen erhielt Wilhelm Faßhauer von Bundespräsident Joachim Gauck am 5. Dezember 2014 zum Tag des Ehrenamtes den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Im Rahmen des Festaktes 2018 ehrte ihn der DMSG-Bundesverband für seine nachhaltige Arbeit mit dem Ehrenabzeichen in Gold.
Unermüdlich unterstützte er bis zu seinem Tode am 06. September 2025 seine Ehefrau Dr. Edeltraud Faßhauer bei ihren Aktivitäten für die DMSG auf Bundesebene für den Bundesbeirat MS-Erkrankter und im Ärztlichen Beirat.
Die Bundesvorsitzende der DMSG, Prof. Dr. Judith Haas, lobt die Pionierarbeit und den vorbildlichen ehrenamtlichen Einsatz von Wilhelm Faßhauer
„Herr Faßhauer zeichnete sich in allen Gremien der DMSG auf Bundes- und Landesebene durch seine von allen geschätzte Offenheit und Diskussionsbereitschaft aus, wenn es um die Arbeit der DMSG für die MS-Erkrankten in Deutschland ging. Uneingeschränkt unterstützte und ermöglichte er die Arbeit seiner Frau in den für die medizinische Versorgung der MS-Erkrankten so wichtigen Gremien des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA)“, würdigt die DMSG-Bundesvorsitzende die Stärken von Wilhelm Faßhauer: „Seine Pionierarbeit nach der Wende für die DMSG Sachsen-Anhalt verdient unsere hohe Anerkennung. Ich werde ihn als jemand in Erinnerung behalten, der sich vorbildlich auf vielen Ebenen unbeirrt für das Gemeinwohl eingesetzt hat. Frau Dr. Faßhauer wünsche ich in der Trauer um den Verlust ihres Mannes, Trost in den Erinnerungen zu finden im Bewusstsein, die Familie an ihrer Seite zu haben.“
Wilhelm Faßhauer wurde 84 Jahre alt. Sein Lebenswerk bleibt unvergessen. Auch Vorstand, Geschäftsführung und Mitarbeitende des DMSG-Bundesverbandes werden Wilhelm Faßhauer in bester Erinnerung behalten. Unsere Anteilnahme gilt seiner Ehefrau, seinen Kindern, den Enkeln und allen weiteren Angehörigen.
Quelle: DMSG-Bundesverband - 01. Oktober 2025
Redaktion: DMSG-Bundesverband - 01. Oktober 2025

