Herbst ist Grippezeit – welche Impf-Möglichkeiten gibt es? Die DMSG informiert über die saisonale Influenza-Impfung
Viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS) beschäftigen sich vor der kälteren Jahreszeit mit der Notwendigkeit von Impfungen. Saisonal bedingt steht die Grippe (Influenza) mit Erkrankung und Impfung im Fokus.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt allen Menschen über 60 Jahren sowie Schwangeren und Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer chronischen Erkrankung eine Impfung zum Schutz vor saisonaler Influenza (Schlaberg 2024). Dies trifft für alle Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen einschließlich MS unabhängig von einer immunmodulatorischen Therapie zu. Durch den Schutz vor Influenza können bei Menschen mit MS sowohl Infektions-getriggerte Schübe als auch die Krankheitsprogression verringert werden (Heidler et al. 2024, RKI 2025). Impfstoffvarianten Neben einem via transnasal (über die Nasenschleimhaut) anwendbaren Lebendimpfstoff für Kinder und Jugendliche sind für alle Altersgruppen inaktivierte Influenza Impfstoffe zugelassen. Die Impfstoffe werden jährlich an die vorherrschenden Virustypen angepasst und enthalten Antigene gegen 2 verschiedene Influenza A Stämme und gegen 1 bis 2 Influenza B Stämme (trivalente bzw. quadrivalente Impfstoffe). Die Viren der Standardimpfstoffe werden in der Regel auf Hühnereiern vermehrt, daneben sind heute auch zellbasierte Impfstoffe verfügbar. Sie enthalten 15 µg des jeweiligen Antigens als Ganzzell-Virus, Spaltimpfstoff- oder Untereinheiten-Impfstoff.
Für Menschen ab 60 Jahren steht ein höher dosierter Ei-basierter Spalt-Impfstoff (60 μg/ Antigen) zur Verfügung. Alternativ kann ab dem 50. Lebensjahr ein mit dem Squalen MF-59 adjuvantierter Influenza-Impfstoff mit normalem Antigengehalt verwendet werden (RKI 2025).
Influenza-Impfung und MS
Menschen mit MS sollten regelmäßig vor der „Grippesaison“ nach Abklärung der individuellen medizinischen Situation eine Influenza- Impfung erhalten (Otero-Romero et al. 2023, Zettl et Rommer 2023). Die Impfung reduziert das Risiko für Infektionen auch bei Patienten mit einer immunmodulatorischen Therapie.
Impfstoffauswahl
Aufgrund bisheriger Erfahrungen können Patienten mit MS ab dem 50. Lebensjahr mit einer krankheitsmodifizierenden Immunbehandlung den adjuvantierten Influenza- Impfstoff erhalten, um einen verbesserten Impfschutz zu erreichen. Ab dem 60. Lebensjahr kann zwischen dem Hochdosisund dem adjuvantierten Influenza-Impfstoff entschieden werden, wobei nach heutigem Kenntnisstand beide Impfstoffe vergleichbar gute Schutzwirkung erzielen. Bisherige Erkenntnisse belegen: Influenza-Impfungen sind bei Menschen mit MS gut wirksam und führen nicht zu vermehrten Nebenwirkungen (Winkelmann et al. 2023, Metze et al. 2019).
Weitere Informationen zum Thema Impfungen auch in dieser News oder unter
Autoren:
Prof. Dr. med. Uwe Zettl, Klinik für Neurologie und Poliklinik Universität Rostock, Mitglied im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.
Prof. Dr. med. Micha Löbermann, Leiter der Klinik und Poliklinik für Infektiologie, Neprologie, Endokrinologie und Tropenmedizin der Universität Rostock
Redaktion: DMSG-Bundesverband - 04.09.2025

